Wir genießen aktuell die Hoch-Zeit der Natur. Nach dem kürzlichen lang ersehnten Regen schossen die Pflanzen des Feldes in ungeahnte Üppigkeit. Auf den Hügelbeeten zeigen sich erste erntereife Früchte und die Beerensträucher sind nun schon fast abgeerntet bzw. zu Marmelade verkocht. Die Blüten der jungen Obstbäume haben dieses Jahr nur geübt – wir hoffen auf fleißige Bestäubung im kommenden Jahr, wenn es dann nochmals mehr Blüten sein werden.

Bis dahin zehren wir vor allem noch von der Wildkräutervielfalt. Brennnesseln werden nun eifrig zu Brennnesselchips verarbeitet (sie stecken voller Eisen!), die reiche Pracht von Johanniskraut erstaunt uns bei jedem Feldbesuch und wird zu Rotöl auszugezogen (schmerzstillend). Wildblumen und gepflanzter Ysop entzücken als Hummel- und Bienenweiden und wir freuen uns auch in diesem Jahr wieder an diversen Schmetterlingen.

Zur Außenwahrnehmung haben wir das Permakulturlogo weitergemalt und mit dem Schriftzug „Eine andere Welt ist pflanzbar“ nebst Projektdomain versehen. Vielleicht sorgt dies für mehr Respekt im Umgang mit dem Projekt von außen – schließlich lassen wir das Feld offen für den Zugang anderer, die sich gern umsehen und schlau machen dürfen, ohne sich wie in einem Selbstbedienungsladen zu fühlen. Da wir noch weitere Hügelbeetflächen anbieten können, sind weitere MitmacherInnen für die kommende Saison in 2016 immer willkommen. Wer also beim Umsehen Appetit bekommen hat, oder beim „Geomantie & Pflanzen“-Workshop in der kommenden Woche, das Feldprojekt so richtig lieben gelernt hat, meldet sich einfach hier.

Wer die ersten Schritte eines Hügelbeets macht, wird schnell merken, dass es auch Schwierigkeiten damit gibt. Das Gießen zum Beispiel, wenn man nicht nur dem Regen alles überlassen kann. Da gerade die Keimphase der Pflanzen viel Wasser braucht und Keimlinge auf dem Feld viele Fraßinteressenten haben, zeihen wir das meiste vor. Die Stecklinge brauchen dann jedoch ordentlich Wasser beim Pflanzen und man kann zugucken, wie es den Hügel hinunter statt zu den Wurzeln fließt.
In diesem Jahr haben wir mit dem allerersten Hügelbeet, das hiermit in die 3. Saison geht, die alte Kunde bemüht (und Permakultur-Prinzipien gewahrt), indem die zahlreichen Wild- und Heilkräuter auf dem Beet unseren Segen zur Ausbreitung haben – wir pflanzen einfach dazwischen. Das schon existierende Wurzel- und Pflanzenwerk beugt Bodenerosion vor, hält das Wasser an Ort und Stelle und nahe an der Oberfläche. Daher gehören diese Pflanzen jetzt zum Beet und in den Fotos erfahrt ihr ihre Namen (Mauszeiger auf Bild verweilen lassen).

Hilfreich ist auch das langsame Bewässern. Trick 17 sind umgedrehte Flaschen, die Regenwasser langsam in die Erde sickern lassen. Wenn das nicht pilotprojektmäßig ausschaut!

Unser Neuzugang übt sich sogar in einem Spinatbeet. Sepp Holzer hat angemerkt, dass Spinat auf dem Hügelbeet gepflanzt zuviel Nitrat anreichert. Also hat er schnell ein Flachbeet hergerichtet.

Für die zwei neuen Hügelbeete der Neuzugänge dieser Saison haben wir uns fix professionelle Hilfe geholt: In Windeseile war die letzte Schicht, die Erde, auf den Hügelbeeten ausgebreitet.

Auch die künstlerischen Arbeiten gehen voran: Der Bauwagen bekommt seine langversprochene Malerei, das Permakultur-Logo. Bald weiß auch ein jeder Spaziergänger vom Namen und der Website des Projektes.

Unser Projekt erfreut sich in diesem Jahr an Nachwuchs: Zwei weitere Hügelbeete sind damit vergeben und kurz davor eifrig bepflanzt zu werden. Wir haben die Anfänge mit Freude unterstützt und nebenbei die Hilfe für das Einpflanzen weiterer Bäume und Sträucher empfangen. Auch der Bauwagen ist geputzt und geordnet – Spuren der Mausinvasion quasi nicht mehr zu erblicken. Und nachdem sich der Versuch mittels Abdeckplane die aufgeschütteten Erdhügel für die Weiterverwendung vor Bewuchs zu „schützen“ mit dem Zerfleddern der Plastikplane rächte, haben wir unseren demütigen Dienst getan und die Kleinstplastikteile brav vom Feld gesammelt. Wir wurden jedoch mit gesundem Teint, frischer Luft und Spaß an Aktivität in der Natur belohnt.

Wir haben Grund zur Hoffnung auf eine größere Ernte in diesem Jahr: Denn die Bienen tummeln sich an den zahlreichen nektarreichen Johannisbeer-, Stachelbeer- und Jostablüten. Mit ihrer frühen Blüte sind sie ein wahres Geschenk für die Insekten der Gegend. Aber auch unsere Obstbäume machen sich: Die Williams Christbirne schmückt sich schon mit ihren weißen Blüten, die Bühler Frühzwetsche präsentiert ihre saftigen ersten Blätter und die Apfelbäume nehmen sich noch Zeit. Dafür haben wir zusätzliche eine Mirabelle gesetzt, vier Wildrosen dazugeholt und auch einen weiteren Versuch mit zwei Haselsträuchern gestartet – diesmal in feuchterem Boden und sonnengeschützter.

Wir erwachen mit der Natur aus unserem Winterschlaf und beginnen das Fleckchen Feld weiter zu verwandeln. Gleichzeitig beobachten wir, was ist und was werden will. Hier sind unsere neuesten Eindrücke:

Der öffentliche Aktionstag am 10.5. war ein voller Erfolg.

Nach Listen wurde dirigiert welche Pflanze neben welcher am besten gedeihen dürfte und so wurde das 1. Hügelbeet wieder voll bestückt.

Für fleißige Bestäuber und Stärkung der Artenvielfalt machten wir es den Insekten so richtig gemütlich. Das entstandende Insekten-Hotel dürfte den geflügelten und ungeflügelten Kleintieren 5 Sterne wert sein.

Milpa nennt sich die mesoamerikanische Anbauweise der Drillings-Pflanzen, die sich gegenseitig ernähren, beschützen und Platz zum Ranken geben: Mais, Bohnen, Kürbisse. Mit dabei ist Bantam-Mais – also darf in Pollenflugweite laut Gesetz kein Genmais gepflanzt werden!

Mit der waldnahen Tiertränke zollen wir unseren Tribut an Rehe, Wildschweine und Co. Integriert haben wir Trittsteine, sodass auch Igel sich beim Trinken nicht gefährden und immer wieder den Weg hinaus und nach Hause finden. Das erste wilde Tier wurde auch schon gesichtet…

Vielen Dank an alle helfenden Hände!

Holz sammeln, Grassoden anlegen, Laub sammeln, Erde auffüllen, Saaten ausbringen, Angießen!

Sei so frei, sei dabei!